Der Digital-Helfer unserer Rems-Murr-Schulen: Wie Ralf Nentwich und das Kreismedienzentrum in der Corona-Krise unersetzlich wurden

Von ZVW/Peter Schwarz Veröffentlicht: 06.10.2020 00:00

Ralf Nentwich ist doppelt interessant: Als Leiter des Kreismedienzentrums hat er in der Coronakrise Wichtiges geleistet – und er ist Jubiläumsmitglied im Verein für Leseförderung! Ein Porträt

#Es war einmal die Kreisbildstelle, die Alten werden sich erinnern: Dort lieh der Lehrer eine Dose aus, in der eine Spule lag, fädelte den 16-Millimeter-Streifen in den Projektor – und dann sahen die Schüler eine Tier-Doku; oder blumenkohlartige Gebilde auf der Leinwand, wenn der Film zu schmoren begann … Vorbei! Längst heißt die Kreisbildstelle Kreismedienzentrum – und wurde in der Corona-Krise unentbehrlich, um moderne Online-Pädagogik an unseren Schulen möglich zu machen.

Ralf Nentwich, 38, aus Murrhardt ist doppelt interessant: Zum einen ist er das 900. Mitglied im Waiblinger Verein für Leseförderung; dazu später mehr. Zum anderen hat er als Leiter des Kreismedienzentrums den digitalen Strukturwandel dieser Einrichtung entscheidend mitgeprägt.

Mit einem analogen Lehrfilmverleih hat das Zentrum nur noch am Rande zu tun, wenngleich im Archiv noch diverse alte Rollen lagern. Vor allem ist das Kreismedienzentrum heute ein digitaler Dienstleister für die 187 Schulen im Kreis, mit 15 Beschäftigten auf sieben Vollzeitstellen und einem Pool von etwa 40 Referenten, die bei Elternabenden das Thema Medienpädagogik vermitteln, Lehrer bei der Gestaltung digitalen Unterrichts begleiten, Radiosendungen mit Schülern erstellen und eine Mediathek namens Sesam pflegen; man kann dort rund um die Uhr 120 000 Medien online abrufen. Und: Das Waiblinger Know-how wirkt ins ganze Land hinaus – „wir sind offizieller Standort der Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg.“

Als die Corona-Krise kam, waren Nentwich und sein Team bereit

Man darf das Kreismedienzentrum Rems-Murr wohl als Leuchtturm-Einrichtung bezeichnen. Richard Sigel, lobt Nentwich, sei einer „der fortschrittlichsten Landräte“ weit und breit und habe die Digitalisierung nie nur in Sonntagsreden beschworen, sondern wirklich vorangetrieben. Mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkassenstiftung begann das Kreismedienzentrum schon vor Jahren, Schulen, die Tablets anschafften, bei der Handhabung zu unterstützen. Dann kam Corona – und „wir hatten bereits eine Struktur, auf die wir aufbauen konnten“ und „die wir nur noch hochskalieren mussten“, als binnen kurzer Zeit die Zahl der mobilen Endgeräte an den Schulen im Kreis von etwa 2500 auf fast 9000 emporschnellte.

Beim Umgang mit diesen Tablets leistet das Kreismedienzentrum Administration und Support. „Es gibt nur wenige Schulen, die nicht auf diese Struktur zurückgreifen.“ Geräte datenschutzkonform einrichten, Konfigurationsprofile erstellen, „Apps ausrollen“, wenn zum Beispiel mal eben Hunderte von Tablets dieselbe Anwendung brauchen – das Kreismedienzentrum kümmert sich darum.

Aha. Aber Herr Nentwich, jetzt mal eine alberne Frage: Sind Sie auch Ansprechpartner, wenn ein Lehrer den Einschaltknopf nicht findet? Nentwich lacht nicht. „Ja“, sagt er, „das gibt’s teilweise.“ Dann hilft das Medienzentrum mit „Basis-Beratungen“.

Die wohl wichtigste Leistung in der Corona-Krise: Unter Waiblinger Federführung haben die 36 baden-württembergischen Kreismedienzentren „schwarmintelligent“ ein gemeinsames Videokonferenz-System namens Jitsi für die Schulen eingerichtet. Die zunächst vom Land angebotenen Lösungen hätten nämlich „leider riesige Probleme“ bereitet, alle „zwei, drei Tage“ habe es „Server-Abstürze“ gegeben. Also beschlossen Nentwich und Co: „Machen wir das einfach selber.“

Auch bei der Leseförderung gibt es digitale Tricks

So. Und jetzt ist er auch noch beim Verein für Leseförderung gelandet. Das liegt zum einen daran, dass der Waiblinger Vereinsgründer Theo Kaufmann kein Nein akzeptiert, wenn’s darum geht, Mitglieder zu keilen. Zum anderen aber, sagt Nentwich, „hat er mich nicht arg überreden müssen“.

Nentwich nämlich ist selber Lehrer, unterrichtet nach wie vor einige Stunden an der Max-Eyth-Realschule in Backnang Gemeinschaftskunde und weiß aus dem pädagogischen Alltag: „Jungs zum Lesen zu bringen ist eine der schwierigsten, aber auch wichtigsten Aufgaben“.

Und da kommt Theo Kaufmann ins Spiel – er ist seit vielen Jahren ein leidenschaftlicher Missionar des digital unterstützten Lesens, wirbt nimmermüde für Online-Programme wie Antolin. Die Antolin-Plattform bietet Quizfragen zu mehr als 100 000 Kinder- und Jugendbüchern an – so wird Lesen quasi zum gehirnsportlichen Wettbewerb: Man schmökert und sammelt Punkte und Erfolgserlebnisse, wenn man die richtigen Antworten auf der Pfanne hat.

„Mein Sohn“, sagt Ralf Nentwich, lernt auch mit Antolin – „seither liest er Bücher reihenweise.“