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Brücken bauen im Advent: #10 So hoffnungsvoll

veröffentlicht: 10. Dezember 2025 | zuletzt bearbeitet: 10. Dezember 2025 | AuthorIn: Ralf Nentwich

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Eine Reform koalition wollte die Ampel werden – vom ersten Tag an. Als Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag war Özdemir häufig mit dem Fahrrad unterwegs. Also fuhr er damit auch zu seiner Ernennung ins Schloss Bellevue. Unter dem Beifall zufälliger Passanten, vorbei an all den Limousinen der anderen Kabinettsmitgelder. DIe schönen Bilder waren garantiert. Andere Schlagzeilen folgten in Bälde. Der neue Landwirtschaftsminister, dessen Ressort im Kürzel BMEL die Ernährung  vor die Landwirtschaft reihte, hatte in den Schubladen viel  Interessantes gefunden, viele Zahlen und Daten sowie viele Ideen, die da schlummerten, weil unverwirklicht von den Vorgängern aus CDU und CSU. Der Grüne machte sich an die Sache.

Er hatte die große Schneiderschere im Gedenken an seine verstorbene Mutter behalten. „Sie hatte sie immer in der Hand, wenn meine beiden Kinder und ich in Bad Urach klingelten“, erinnert er sich. Mit Schere, Garn, Maßband und Nähmaschine habe sie alles passend gemacht, „denn zu weit, zu eng, zu kurz, zu lang, das gab es für sie nicht“. Löcher wurden gestopft, Verlorenes angenäht, Altes überarbeitet, „und für Neues brauchte sie einfach das richtige Schnittmuster“. 

Das brauchte er jetzt im neuen Amt, als er an seiner neuen Rolle zu schneidern begann. Reformer und Mahner wollte er sein, im Wissen, dass er den einen, Tierschützern, Bio-Bauern und Vegetariern, zu wenig weit und den anderen viel zu weit würde gehen müssen. Ein Spagat ohne große Aussicht auf Erfolg. Landwirte und deren Funktionäre, Vertreter der Lebensmittelindustrie und die Lobbyisten hatten ihn rasch zum idealen Feindbild erkoren, um bei Bedarf den Vorwurf der Besserwisserei erheben zu können. Auch das Schlagwort vom „Verbotsminister“ kursierte. Zu schnell und vor allem zu unrecht.