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Landtagsabgeordneter begrüßt Fortschritte beim Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg, fordert aber verbindliche Ausbauentscheidungen: „Ein besserer Fahrplan ersetzt keine fehlende Infrastruktur.“

veröffentlicht: 6. November 2026 | zuletzt bearbeitet: 6. November 2026 | AuthorIn: Juliana
Bahnsteigverlängerungen Fornsbach Bahnhof

Backnang, 6. November 2026. Die jüngsten Signale aus dem Bundesverkehrsministerium zur Zukunft der Bahnverbindungen zwischen Stuttgart und Nürnberg bewertet der grüne Landtagsabgeordnete Ralf Nentwich als wichtigen ersten Schritt. Dass die Vorschläge der Region nun bei der Fortschreibung des Deutschlandtakts berücksichtigt werden, sei ein Erfolg der jahrelangen gemeinsamen Bemühungen. Gleichzeitig warnt Nentwich davor, die Ankündigungen bereits als Durchbruch zu feiern. Denn das zentrale Problem der Murrbahn bleibt ungelöst: das fehlende zweite Gleis zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental.

„Es ist gut, dass in Berlin endlich Bewegung in die Sache kommt. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Solange die Murrbahn über weite Strecken eingleisig bleibt, werden wir die grundlegenden Probleme bei Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Kapazität nicht lösen. Ein besserer Fahrplan schafft noch kein zweites Gleis. Unser Ziel muss deshalb unverändert der durchgehend zweigleisige Ausbau sein“, erklärt Nentwich.

Seit Jahren für den Ausbau im Einsatz

Nentwich setzt sich seit Jahren mit Nachdruck für den zweigleisigen Ausbau der Murrbahn ein. Auch bei der letzten Sitzung der Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg in Crailsheim war er als einziger politischer Mandatsträger aus dem Rems-Murr-Kreis persönlich vertreten.

„Mir ist wichtig, nicht nur aus der Ferne Forderungen zu stellen, sondern dort mitzuarbeiten, wo über die Zukunft unserer Bahnverbindungen gesprochen wird. Die Murrbahn ist für unsere Region von zentraler Bedeutung. Deshalb werde ich nicht lockerlassen, bis aus politischen Absichtserklärungen konkrete Ausbauprojekte werden“, betont der Abgeordnete.

Die nun angekündigte Berücksichtigung des regionalen Konzepts in der Bundesplanung sei ausdrücklich zu begrüßen. Dass perspektivisch eine stündliche Fernverkehrsverbindung zwischen Stuttgart und Nürnberg über beide Schienenachsen angestrebt werde, zeige das große Potenzial der Verbindung. Allerdings sei damit bislang weder eine konkrete Finanzierungszusage noch ein verbindlicher Zeitplan für den Ausbau verbunden.

„Das Problem ist nicht der Fahrplan, sondern das fehlende Gleis“

Für Nentwich liegt die entscheidende Schwachstelle auf der Hand: Auf der eingleisigen Murrbahn müssen Regionalzüge, Fernverkehr und Güterzüge dieselbe begrenzte Infrastruktur nutzen. Verspätungen übertragen sich dadurch schnell auf weitere Verbindungen, Zugkreuzungen erzwingen Wartezeiten und zusätzliche Verkehrsangebote lassen sich nur schwer integrieren.

„Wir diskutieren seit Jahrzehnten über Fahrplanoptimierungen, neue Technik und einzelne Ausbaumaßnahmen. Natürlich kann das kurzfristig helfen. Aber das eigentliche Problem bleibt bestehen: Wo ein zweites Gleis fehlt, können Züge nicht unabhängig voneinander fahren. Wer dauerhaft mehr und zuverlässigere Züge möchte, muss endlich die dafür notwendige Infrastruktur schaffen“, so Nentwich.

Besonders kritisch sieht er die Gefahr, dass zusätzliche Fernverkehrsangebote zulasten der Menschen gehen, die täglich auf die Regionalbahn angewiesen sind.

„Es kann nicht sein, dass wir uns über schnellere Verbindungen zwischen Stuttgart und Nürnberg freuen, während Pendlerinnen und Pendler im Murrtal weiterhin mit Verspätungen, langen Wartezeiten oder ausfallenden Halten kämpfen. Die Menschen in Backnang, Murrhardt und entlang der gesamten Strecke brauchen eine Bahn, auf die sie sich verlassen können.“

Bundesverkehrsminister Bilger muss jetzt liefern

Nentwich sieht insbesondere Bundesverkehrsminister Steffen Bilger in der Verantwortung. Als in Backnang aufgewachsener Politiker kenne dieser die Bedeutung der Murrbahn und die seit Jahrzehnten bestehenden Probleme.

„Steffen Bilger kennt die Strecke und weiß, wie lange die Menschen im Murrtal schon auf Verbesserungen warten. Jetzt hat er als Bundesverkehrsminister die Möglichkeit, den entscheidenden Unterschied zu machen. Ich erwarte, dass aus der Aufnahme in die weiteren Planungen ein verbindlicher Ausbaupfad mit konkreten Maßnahmen, Finanzierung und Zeitplan wird“, fordert Nentwich.

Die angekündigte Untersuchung der Kapazitätsengpässe müsse deshalb konsequent auf den zweigleisigen Ausbau ausgerichtet werden. Einzelne Doppelspurabschnitte und betriebliche Verbesserungen könnten sinnvolle Zwischenschritte sein, dürften aber nicht erneut als dauerhafter Ersatz für den vollständigen Ausbau dienen.

„Wir brauchen endlich eine Zukunftsperspektive für das gesamte Murrtal“

Für Nentwich geht es dabei um weit mehr als einzelne Minuten Fahrzeitgewinn. Eine leistungsfähige Murrbahn sei Voraussetzung für attraktive Mobilität, wirtschaftliche Entwicklung, Klimaschutz und die Anbindung des ländlichen Raums.

„Die Murrbahn ist keine Nebenstrecke, sondern eine zentrale Verbindung zwischen zwei bedeutenden Wirtschaftsräumen. Wir brauchen sie für einen starken Regionalverkehr, für attraktive Fernverbindungen und für den Gütertransport. Diese Aufgaben kann sie langfristig nur erfüllen, wenn wir ihre Infrastruktur grundlegend stärken.“

Abschließend macht Nentwich deutlich: „Ich freue mich über jeden Fortschritt. Aber nach so vielen Jahren der Diskussion dürfen wir uns nicht wieder mit kleinen Verbesserungen zufriedengeben. Die jetzige Ankündigung ist ein erster Schritt, nicht das Ziel. Das Ziel heißt zweigleisiger Ausbau der Murrbahn. Dafür werde ich mich weiterhin mit aller Kraft einsetzen.“