Leere Waben, leere Kassen

29. Dezember 2021

Nasskaltes Wetter, massive Ernteausfälle und abgesagte Weihnachtsmärkte: Viele süddeutsche Imkereibetriebe bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Verbände und Politik fordern finanzielle Hilfen.

Es war kein gutes Jahr für fleißige Bienen: Niedrige Temperaturen und kräftige Niederschläge im Frühjahr und Sommer führten dazu, dass die Tiere nicht ausflogen, was vor allem im Süden Deutschlands katastrophale Ertragsausfälle bei den Imker*innen zur Folge hatte. Vielerorts habe die Frühjahrstracht gar nicht geerntet werden können, meldet der Deutsche Imkerbund e. V. (D.I.B.), und die Bilanz für den Sommer falle kaum besser aus. Die ohnehin geringen Honigmengen seien aufgrund eines hohen Wassergehalts zudem häufig von minderer Qualität. Für den Verbraucher heißt das: Guter Honig wird teurer.

Zwar betreiben die meisten Imkerinnen und Imker die Bienenzucht als Hobby, sind also wirtschaftlich nicht abhängig von bestimmten Produktionsmengen. Nach Angaben des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bundes e. V. (DBIB) viele Imker*innen nun in eine finanzielle Schieflage geraten. Der DBIB fordert seit Längerem die agrarpolitische Gleichstellung von Berufsimker*innen mit anderen Landwirt*innen, welche in der Regel einen leichteren Zugang zu staatlicher Hilfe und Förderung genießen.

„Umsatzausfälle lassen sich nicht abfedern“

Der Landtagsabgeordnete Ralf Nentwich, selbst leidenschaftlicher Hobbyimker und Experte für Imkerei in der Grünen Fraktion, weiß um die Problematik: „Die Betroffenen haben nicht nur hohe Verdienstausfälle zu verschmerzen, sondern müssen natürlich auch die laufenden Kosten decken. Zum Beispiel sind Bienen im Winter auf eine Zufütterung mit Zuckerwasser angewiesen. Ab einer gewissen Anzahl von Völkern summiert sich der Aufwand sehr schnell.“ Zwar verzeichne die Imkerei in Baden-Württemberg erfreuliche Zuwächse, doch auch der Anpassungskünstlerin Honigbiene mache der Klimawandel zu schaffen. Neben Extremwetter-Phänomenen verursachten etwa „die stille Vermehrung von Parasiten“ oder die Einwanderung neuer Bienenfeinde zusätzlichen Aufwand und Kosten. Im zweiten Corona-Winter stünden Imkerinnen und Imker zudem vor weiteren Schwierigkeiten: „Viele Betriebe vertreiben den eigenen Honig traditionell selbst, wobei ein Großteil des Umsatzes auf Märkten generiert wird. Die erneute, pandemiebedingte Absage der Weihnachtsmärkte lässt sich durch Online- oder Automatenverkauf nicht einfach so abfedern.“

„Erhalt einer gesunden Kulturlandschaft“

Nachdrücklich verweist Nentwich auf die bedeutende gesamtökologische Rolle der pelzigen Insekten, die alljährlich die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen übernehmen: „Ohne diese natürliche Befruchtung wäre eine Landwirtschaft in bisherigen Maßstäben kaum denkbar. Die Imkerinnen und Imker leisten somit einen unverzichtbaren Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung. Außer einer agrarpolitischen Gleichstellung und kurzfristigen Ausfallzahlungen erachte ich daher eine angemessene, an der Anzahl der betreuten Völker orientierte Grundförderung für sehr wichtig. Letztlich geht es um den Erhalt einer gesunden Kulturlandschaft für uns alle.“