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Exoten auf der Streuobstwiese? Bald Pekannuss und Maulbeere im Rems-Murr-Kreis?

veröffentlicht: 5. Mai 2026 | zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2026 | AuthorIn: Juliana
Streuobstwiese
Streuobstwiese

Rems-Murr-Kreis/Spiegelberg. Der besondere Baum ist ein Neigschmeckter – ein Einwanderer, der auf einer Streuobstwiese im Rems-Murr-Kreis sogar verboten ist. Aber in Spiegelberg wächst er. Mit Genehmigung von ganz oben. Es ist ein Versuch. Denn wer weiß, was mit den Streuobstwiesen passiert, wenn’s immer heißer wird. Dem geliebten Bittenfelder Apfel geht dann wohl die Puste aus. Kommen stattdessen exquisite Nüsse? Und Beeren, die als „Superfood“ gelten?

Streuobstwiesen: Was wächst?

Der Baum, der an knabbernden Schafen und Frost gelitten, beides überstanden hat und jetzt kräftig austreibt, ist ein Pekannussbaum. Die Pekannuss wächst, sagt Christoph Schulz, der hier – augenzwinkernd – als „Streuobstpapst“ bezeichnet wird, in Nordamerika. Und zwar von, so Schulz, Kanada bis runter nach Mexiko. Bedeutet für den Rems-Murr-Kreis, dass die Sorten aus dem Norden gepflanzt werden sollten, wenn man denn irgendwann die Pekannuss wirklich nutzen will. Lecker ist sie ja.

Die Pekannuss ist die mildere Schwester der heimischen Walnuss: süßlicher, buttriger, lang nicht so schleimhautzusammenziehend herb. Wer sie einkauft, lässt ordentlich Geld liegen. Sie könnte, so sie im Rems-Murr-Kreis wüchse, wirtschaftlich interessant sein. Und sie trägt in einem Streuobstwiesen-Pilotprojekt den Titel „Klimagehölz“. Das Projekt war eine Idee des Backnanger Landtagsabgeordneten Ralf Nentwich und wurde vier Jahre lang durch die Landesregierung finanziell gefördert. Jetzt geht es über ins Ehrenamt. Es hat einen sperrigen Namen: „Klimawandelanpassung im Streuobst – Potenzialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme“. Doch es stellt klare und wichtige Fragen. Zum Beispiel diese: Eignen sich bestimmte „Klimagehölze“ für den Streuobstbau?

Apfel oder Feige? Wal- oder Pekannuss?

Die Erkenntnis im Ländle und jetzt auch des Projekts: Die tradierten Streuobstwiesenbäume kommen teilweise mit großer Hitze und Trockenheit nur sehr schwer zurecht. Vor allem Sämlinge und junge Bäume. Man muss schon viel Pflege reinstecken, um über Klimawandelschwierigkeiten hinwegzuhelfen. Bedeutet: Alternativen wären nicht schlecht. Experimentiert wird mit Esskastanien und Feigen – das wirkt schon fast alltäglich. Die Feige steht inzwischen in so gut wie jedem Hausgarten, Esskastanien finden sich in Parks, an Straßenrändern und Spazierwegen. Der Beweis ist längst erbracht, dass diese zwei Arten im Rems-Murr-Kreis problemlos wachsen. Stellt sich nur noch die Frage, ob und wie sehr man ihnen womöglich auch über noch mehr Hitze drüber helfen muss.

Die Pekannuss dagegen muss erst noch beweisen, dass sie stark genug für den Rems-Murr-Kreis ist. Bisher macht ihr der winterliche Frost zu schaffen. Ist diese Nuss eine Option für die Zukunft?

Achtung: Pflanzen nicht immer erlaubt

Wer’s probieren will, kann das in seinem Privatgarten schon tun. Auch gewerbliche Baumnutzer – Land- und Forstwirtschaft – dürften, so sie das Risiko eingehen wollen, eine Pekannuss pflanzen. Doch private Streuobstwiesenbesitzer müssen – Pilotprojekt hin oder her – auf diese Bäume verzichten. Überhaupt sind Streuobstwiesen ein besonders geschützter Bereich. Wer hier anderes als die üblichen Verdächtigen anpflanzen will, sollte stets Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde halten (siehe Info).

Für das Pilotprojekt wurde für Pekannuss und Co. eine „Ausnahmegenehmigung bei Regierungspräsidium Stuttgart für die Pflanzung nicht gebietsheimischer Arten eingeholt“.

Auf der Spiegelberger Streuobstwiese steht übrigens noch ein Exot. Wobei selbiger Baum eigentlich seit Langem keiner mehr ist und keiner Genehmigung bedarf. Er wurde nämlich nur, nach jahrelanger ausgiebiger Nutzung, schlicht wieder vergessen. Es geht um den Maulbeerbaum. Im Rems-Murr-Kreis wurde selbiger früher sogar gepflanzt, um mit Seidenraupen, die sich von den Blättern des Maulbeerbaums ernähren, Seide zu produzieren. Die Maulbeere kann zwar durch Spätfröste Schaden nehmen. Aber in Bezug auf den Klimawandel ist sie vielversprechend: Sie verträgt Hitze sehr gut. Die leckere Beere wäre ein echter Gewinn auf den Streuobstwiesen.

 

Artikel auf: Exoten auf der Streuobstwiese? Bald Pekannuss und Maulbeere im Rems-Murr-Kreis? – Nachrichten aus dem Rems-Murr-Kreis – Zeitungsverlag Waiblingen

Autorin: Pia Eckstein